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Eine nicht ganz "authentische" Schnürbrust für den "historisch korrekten Look"

Auf Renaissancegemälden v.a. aus dem italienischen, aber auch dem deutschen Raum sieht man immer wieder, dass das Oberteil der Kleider keinerlei Falten bildet, der Oberkörper aber nicht durch ein vollkommen steifes Korsett eingeschnürt zu sein scheint. Ich probierte lange vergeblich mit verschiedenen Verstärkungen des Oberteils herum, um diesen "Look" zu erhalten - bis ich schliesslich im Internet (hier eine Seite, die jede Menge Informationen dazu bietet) auf Schnürbrüste mit Hanfschnureinlagen aufmerksam wurde. Diese Art von Korsett ist historisch nicht sicher belegt, aber solch eine Unterbekleidung ermöglicht genau das gewünschte Aussehen des Oberteils. Falten bilden sich nicht.

Meine Schnürbrust habe ich aus fester Baumwolle hergestellt und mit ganz gewöhnlicher Hanfschnur verstärkt. Ich habe eine seitliche Schnürung gewählt, da ich darauf angewiesen bin, das Teil alleine an- und ausziehen zu können.
Ich habe zuerst etwa nähmaschinenfüsschen-breite Kanäle genäht und die Schnur dann dank eines vorhin eingenähten Hilfsfadens in den jeweiligen Kanal hineingezogen. Ich habe die Schnur dabei doppelt genommen und darauf geachtet, dass sie sich innerhalb der Kanäle nicht überkreuzt. Diese Technik ist zwar zeitraubend, aber sie ermöglicht ein enges Nebeneinanderlliegen der Schnüre.

Hier zwei Bilder, die die Schnürbrust während der Herstellung zeigen:

Und hier das Resultat. Das Oberteil des Kleides bildet wirklich keine Falten:

Alles in allem kann ich die Hanfschnur-Schnürbrust, auch wenn es historisch nicht sicher belegt ist, für diesen speziellen Renaissance-Look nur empfehlen. Da sie nicht völlig steif ist, ist sie sehr bequem zu tragen und lässt sich auch ohne Probleme waschen.

30.3.2003

Nachtrag

Da immer wieder Fragen zu Material und Herstellung dieser Schnürbrust auftauchen, hier eine kurze Zusammenstellung wissenswerter Details:

Hanfschnur: Ich habe normale Hanfschnur aus der Migros (do it + garden) gekauft. Die Stärke der von mir verwendeten Schnur ist 2,2mm, wobei die Breite in Tat und Wahrheit leicht variiert. Ein Knäuel hat 55m darauf und kostet um die 4.60Fr. Ich habe für das Korsett kein ganzes Knäuel verbraucht.

Einnähen der Schnur: Bei 2,2mm breiter Schnur müssen die Kanäle ungefähr füsschenbreit genäht werden. In diese Kanäle wird die Hanfschnur mittels eines vorher miteingenähten Hilfsfadens (normales Baumwollgarn, in meinem Fall rot, damit es sich gut vom weissen Stoff abhebt) doppelt eingezogen. Der Hilfsfaden wird dabei an der Knickstelle der doppeltgenommenen Schnur angemacht und das Ganze so in den Kanal gezogen. Die beiden Schnüre dürfen sich dabei nicht überkreuzen, sondern sie müssen glatt nebeneinander liegen. Reisst der Hilfsfaden beim Einziehen der Schnur, können die Schnüre meist auch mit geschicktem Stossen durch den genähten Tunnel gelegt werden.

Versäubern der Schnürbrust: Ich habe die eingezogenen Schnüre oben und unten auf Stoffhöhe abgeschnitten, das ganze mit einem Zickzack-Stich befestigt und dann mit einem Schrägband versäubert. Bis jetzt hält das wunderbar.

Ort der Verstärkung: Ich habe die Schnürbrust nur vorne, dafür fast in der gesamten Breite, mit Hanfschnur verstärkt. Natürlich könnte man bei Bedarf auch hinten eine Verstärkung anbringen. Mein Kleid wirft aber hinten auch ohne Verstärkung keine Falten.

Waschbarkeit: Die Schnürbrust ist problemlos bei 30 Grad im Schongang waschbar. Durch das Tragen und das Waschen wird die Schnur flacher und franst leicht aus, was den Tragekomfort erhöht.

INC 18.11.2005

Photographien: Atall