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"Katharina von Bora"-Kleid, um 1525

Mir gefällt die gediegene Schlichtheit der Kleider, die Katharina von Bora auf den Bildern von Lukas Cranach d.Ä. trägt. Schwarzer Wollstoff, den ich im Ausverkauf erstand, gab mir den Anstoss, mich an ein solches Kleid zu wagen.

Quellen


Lukas Cranach d.Ä., Portrait von Katharina von Bora, 1526, Warburg-Stiftung, Öl auf Leinwand, Eisenach, Deutschland.

Dieses Bild war die Grundlage für mein neues Kleid. Katharina trägt darauf ein weisses Unterkleid und ein unter der Brust geschnürtes braun-schwarzes Kleid - vermutlich aus Wolle.


Lukas Cranach d.Ä., Werkstatt, Portrait von Katharina von Bora, 1528

Die Stickerei auf dem Unterkleid gefällt mir sehr gut! Das Schmuckband auf der Brust ist hier ganz in schwarz gehalten.


Lukas Cranach d.Ä., Portrait von Katharina von Bora, ca.1525, Öl auf Holz, Staatliche Museen zu Berlin, Gemaldegalerie, Berlin, Deutschland.

Dieses Portrait zeigt die Kopfbedeckung und den Kragen sehr schön.


Lukas Cranach d.Ä., Portrait, wahrscheinlich zeigt es Magdalena Luther, Öl auf Holz, Louvre, Paris, Frankreich.

Dieses Bild zeigt ein junges Mädchen. Es bietet einen Beleg für ein schwarzes Kleid.


Lukas Cranach d.Ä., Portrait einer Frau, 1522, Öl auf Holz, National Gallery of Art, Washington, DC, USA.



Fazit der Quellensichtung:

Katharina trägt ein Unterkleid mit einem Stehkragen. Das Kleid ist aus dunklen Farben hergestellt, wird unter der Brust geschnürt, hat einfache, gerade Ärmel, die am Kleid angenäht sind. Der Rock schliesst sich ans Oberteil in vielen Falten an.
Meine Entscheidung(en) anhand der Quellen: Das Unterkleid werde ich aus weissem Leinen herstellen, das Kleid aus schwarzem Wollstoff - nach einigem Zögern habe ich mich entschieden, es ganz zu füttern, damit der Rock schwerer und eleganter fällt. Da auf Lukas Cranachs Portrait einer Frau von 1522 das unter der Schnürung hervorschauende Unterkleid rot ist, habe ich mich für mattrotes Leinen als Futterstoff entschieden.
Als "Korsett" benutze ich eines aus Hanfschnur. Auch wenn so etwas nicht klar als historisch korrekt belegt werden können, formen sie den Oberkörper genau so, wie es auf den Bildern zu sehen ist: Die Brustlinie ist noch erkennbar, das Kleidoberteil bildet aber keine Falten, auch nicht beim Biegen des Oberkörpers.
Ein Problem, das ich noch nicht gelöst habe: Ist das gelb-goldene Schmuckband über der Brust auf dem Mieder angebracht oder ist es ein weiteres Kleid, das über dem Korsett getragen wird? Da ich mein Hanfschnurkorsett auch für andere Kleider trage, habe ich mich aus rein praktischen Gründen entschlossen, ein weiteres Oberteil aus weissem Leinen, auf welches auch das Schmuckband aufgenäht ist, über dem Korsett zu tragen. Wie historisch korrekt dies allerdings ist, ist unklar.
Selbstverständlich werde ich so viel wie möglich von Hand nähen.

Herangehensweise

Begonnen habe ich mit dem unsichersten Teil der ganzen Gewandung: dem Oberteil, das unter der Schnürung hervorblickt. Ich habe mich für weisses festes Leinen entschieden, auf das ein Streifen gelber Brokat genäht wird. Das Oberteil lässt sich seitlich schnüren oder kann mit Nadeln auf das Hanfschnurkorsett gesteckt werden.
Die Muster im Brokat habe ich zusätzlich mit Schwarz nachgestickt.

Als nächstes habe ich mich ans Kleidoberteil gewagt. Es ist aus schwarzer Wolle, vorne mit zwei Lagen festem Leinen verstärkt und mit rotem Leinen gefüttert. Leider habe ich zuwenig schwarzen Wollstoff, um auch die Ärmel daraus zu machen. Nachdem ich in ganz Zürich keine weitere schwarze Wolle gefunden habe (nur Mischgewebe), habe ich mich entschieden, die Ärmel aus hellbrauner Wolle, die ich noch zuhause hatte, zu nähen. (Es gibt eine Miniatur von Katharina von Bora, auf welcher sie hellblaue Ärmel trägt - leider sieht man auf dem Portrait nicht, ob der Rockteil dann auch hellblau ist oder nicht.) Es könnte allerdings durchaus historisch korrekt sein, dass man - zumindest in puritanischen Haushalten - möglichst viel Stoff gespart hat und deshalb auch einige Kompromisse einging. ;-) Ansonsten ist es eben meine künstlerische Freiheit. ;-)
Hier einige Bilder des halbfertigen Oberteils:

Den Rockteil habe ich mit "Rundfalten" ans Oberteil genäht. Es hätten zwar auch einige mehr werden dürfen - aber gut.
Etwas Kopfzerbrechen hat mir die Schliessung des Ganzen bereitet. Denn wenn der Rockteil am Oberteil angenäht ist (was er eindeutig ist), muss es noch irgendwo eine zusätzliche Öffnung haben, damit frau das Kleid überhaupt anziehen kann. Ich habe nach einiger erfolgloser Recherche und ausufernden Diskussionen mit Kolleginnen mich schliesslich für eine zusätzliche Seitenschnürung auf beiden Seiten des Kleides entschlossen. (Die Schnürung ist auf dem untersten Bild links gut zu erkennen). Das Kleid lässt sich so wunderbar anziehen und kann dennoch eng genug geschnürt werden, damit der typische Cranach-"Look" entsteht.

Das Unterkleid ist aus weissem Leinen genäht. Ich habe es wie auf dem Cranach-Gemälde von 1528 bestickt. Den Kragen habe ich mit schwarzem Band eingefasst und entsprechend den Quellenbildern eine selbstgefertigte Schnur zum Schliessen angebracht.

Photographien: Atall

INC 2006