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Bündner Talar/ Scaletta Mantel

Ein befreundeter Bündner Pfarrer hat mich angefragt, ob ich ihm einen Scaletta-Mantel nähen könne.
Natürlich kann ich!

Diese Talarart ist eine Bündner Spezialität, die seit dem 19. Jh in dieser Art festzustellen ist. Man munkelt, sie komme daher, dass die Pfarrer auch schon früher mehrere Gemeinden zu betreuen hatten und deshalb gängigerweise zu Pferd unterwegs war. Für diese Fortbewegungsart sei ein vorne offener Mantel geeigneter als eine geschlossene Amtskleidung gewesen. Vielleicht bestand eine Relation zu der Bekleidung von Amtsträgern bei Beerdigungen, wie gewisse Quellen vermuten lassen.

Ich hatte zwei Anschauungsexemplare zum Abgucken. Das eine war ein moderner Talar aus einem Wollmischgewebe. Er war aus vier Bahnen geschnitten, bildete einen Halbkreis und wurde vorne mit einer Kordel geschlossen.
Der zweite war ein etwa hunderjähriges Exemplar aus feinem Wollstoff. Er war als Halbkreis geschnitten, hinten unter dem Kragen in feine Falten gelegt und wurde vorne mit einem Knopf geschlossen.

Meine Version ist aus Mantelwolle hergestellt. Er ist als Halbkreis zugeschnitten und wird mit einem im Rücken eingesetzten Keil zusätzlich erweitert. Als Verschluss habe ich auf Wunsch des Pfarrers eine Kordel angenäht. Hier die Schnittzeichnung, die ich als Idee vor dem Zuschneiden gezeichnet habe. (Ja, die Linien sind krumm gezeichnet, bitte grosszügig übersehen):

Photographien: Atall