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Accessoires und Unterkleidung der Frau, ausgehendes 15. Jh, Schweiz/ Süddeutschland Haube/ Schleier Ende 15.Jh sind sehr unterschiedliche Haubenformen zu finden. Im Folgenden eine Sammlung ausgewählter Bildausschnitte aus den Werken des sog. Meisters des Hausbuchs. Die oberen vier Beispiele zeigen eine Wulsthaube mit sog. "Vächern" (den Falten am Stirnrand), teils mit Gefränse getragen, teils mit einem langen Schleierschwanz. Zu beachten ist die Bindeart der Haube. Auf allen Bildern scheint der hintere Haubenteil noch um die Haube geschlungen zu sein. Die unteren vier Bilder zeigen andere Hauben- und Schleiervarianten. Besonders interessant ist das letzte Beispiel eines Schleiers einer älteren Frau mit Kopfring. Weitere Hauben- und Schleierformen sind bei Martin Schongauer und Israel von Meckenham (letztes Bild unten) zu finden. Das erste ist eine Art Hörnerhaube, die restlichen kunstvoll um den Kopf gewundene Tücher. Zum Teil mit Wulst, zum Teil ev. ohne (das zweite und das letzte Bild?). Zu beachten ist auch, dass ausser Zopfschnecken nie irgendwelche Haare zu sehen sind. Das schöne Bild der Barbara von Erlach und ihrer Töchter aus dem Spiezer Schilling zeigt eine ähnliche Haubenform wie die ersten Bilder oben vom Meister des Hausbuchs. Das Haubenende ist hier aber ganz banal hinten in die Haube gesteckt und liegt scheinbar vor dem Gefränse und nicht wie bei den Hausbuch-Bildern das Haubenende und das Gefränse umschlingend. Unverheiratete Frauen und Mädchen trugen gerne einfach einen Blätterkranz, nur das Gefränse über den aufgesteckten Zöpfen oder sogar die Haare offen (erstes Bild unten). Das zweite Bild zeigt, dass v.a. wilde Blätterkränze beliebt waren - übrigens auch für junge Herren, wie das dritte Bild veranschaulicht. Alle Bilder stammen vom Meister des Hausbuchs. Meine Haubenvariante 1 richtet sich nach diesem Schilling-Bild, da dies ein Beleg für eine Haube in der Schweiz ist und die Kopfbedeckung ausserdem einfach anzulegen ist. Diese Variante ist also etwas, wenn es mal schnell gehen muss. :-) Hier ein Bild (unten) ohne Gefränse und ohne Zopfschnecken. Der Wulst wurde durch meine geflochtenen Haare und ein zusammengerolltes Leinentuch, das um den Kopf gewickelt wurde, erreicht. (Für alle Zweifler/innen: Die Konstruktion geht schnell und hält - naja meistens *g*.) Statt des Zierrandes wie bei der Haube der Barbara von Erlach oder des einfachen Stirnabschlusses wie bei ihren Töchtern habe ich mich bei meiner einfachen Haube für Falten am Rand, die sog. Vächer, entschieden. Ich habe mich dabei an die Recherche und Schnittzeichnungen von Suzanne Hupfer im Dragon Nr. 6 der Company of St. George gehalten. Einen wirklichen Beleg für Vächer und eine gleichzeitige einfache Bindevariante habe ich aber nicht gefunden. Vielleicht muss diese Haubenvariante doch nochmals kritisch überdacht werden. Neben dem Bild meiner Haube noch eine ungefähre Schnittzeichnung mit den cm-Angaben, die ich für meine Haubenvariante nach etwas Herumexperimentieren als geeignet empfunden habe. Meine Haubenvariante
2 ist komplizierter aufgebaut. Sie besteht aus einer Unterhaube
aus grobem Leinen, in die ein mit Leinenresten gestopfter Wulst genäht
ist. Darüber wird ein weiteres Haubentuch nach Wahl getragen. Mein Haubentuch für darüber besteht aus einem leicht trapezförmig zugeschnittenen Stück Leinen. Es ist etwas grösser als der Haubenschnitt ohne Unterbau. Das Tuch wird möglichst elegant *g* um den Kopf geschlungen und mit Stecknadeln befestigt. Das Konstrukt hat den Vorteil, dass man die Unterhaube und das Haubentuch zusammen wie einen Hut vom Kopf nehmen und wieder aufstülpen kann, und das ganze Konstrukt nicht jedes Mal neu feststecken muss. Ich habe bei meiner Variante ausserdem einen zusammengelegten und versäuberten Leinenstreifen um die Haube drapiert und ebenfalls mit Nadeln daran befestigt. Das Ende des Streifens wird mit einer Stecknadel an der Schulter festgemacht. Der Streifen kann natürlich auch wie z.B. beim folgenden Bild aus der Burgunderchronik um das Kinn gelegt werden. Das Ganze sieht mit fallendem Streifen wie folgt aus: Mit zwei übereinander getragenen Haubentüchern - das heisst zuerst Haubenunterbau, dann ein viereckiges Leinentuch, danach ein langes feines Wolltuch - sieht das Ganze zum Beispiel folgendermassen aus: Gefränse Das Gefränse
besteht aus dicht aneinandergereihten (Woll-)Fäden, die an einer
Kordel befestigt sind. Die Fransen bedecken den Nacken, liegen dabei
aber nicht auf der Schulter auf. Das Gefränse wird keineswegs auf
allen Bildern getragen, es gibt viele Frauen, die mit Hauben ohne Gefränse
abgebildet sind. Daneben sind aber auch eine Reihe von Beispielen zu
finden, wo das Gefränse über den aufgesteckten Zöpfen
von jungen Frauen ohne Haube getragen wird. Farblich ist fast alles
zu finden, beliebt waren scheinbar auch dreifarbige Gefränse. Meine Gefränse habe ich aus Wollfäden gemacht, die an einer selbstgemachte Kordel befestigt wurden. Im Folgenden zunächst das Grüne getragen, danach ein Bild vom Blau-Weissen. Das grüne Gefränse ist aus Wolle gefertigt, die Fransen sind so kurz geschnitten, dass sie den Nacken nicht bedecken, wie das auch beim Bild der Barbara von Erlach der Fall ist (erstes Bild unten). Beim blau-weissen Gefränse sind die Fransen länger. Hier habe ich mich an das erste Bild oben (Meister des Hausbuchs) gehalten. Entsprechend wird diese Variante natürlich höher am Kopf getragen als die grüne. Kappe, spätes 15.Jh, Süddeutscher Raum Immer wieder stösst man auf Bildern von Künstlern des späten 15. Jhs auf eine interessante Kappenart, die sowohl von Frauen (obere Reihe) als auch von Männern (untere Reihe) getragen wird. Im Folgenden einige ausgewählte Bilder vom Meister des Hausbuchs und vom Meister "BxG": Die Kappe
scheint mehr oder weniger schlauchförmig geschnitten zu sein, die
Enden sind entweder in Fransen geschnitten und mit einem Band zusammengeschnürt
oder nur zusammengebunden (3. Bild oben). Die Fransen können, wie
beim letzten Bild zu sehen, auf dem Kopf zu einem Knoten geschlungen
werden. Der Rand der Kappe ist immer hinten und/oder vorne umgeschlagen. Unterkleid Leider
lassen sich kaum Darstellungen von weiblicher Unterkleidung ohne Überkleidung
finden. Ein gutes Bild finde ich die Darstellung einer Bäuerin
aus den "TRES RICHES HEURES DU DUC DE BERRY"
(erstes Bild unten). Man erkennt das weisse Unterkleid. Es hat einen
weiten Ausschnitt, lange, nicht allzu enge Ärmel und reicht bis
etwa Mitte Unterschenkel. Meine Unterkleider habe ich nach diesem Vorbild
gearbeitet (Bild 2 - das Unterkleid ist nicht gebügelt *g*). Strümpfe Gut zu sehen sind die Strümpfe der sich wärmenden Bauern und Bäuerinnen auf dem folgenden Bild aus den "TRES RICHES HEURES DU DUC DE BERRY". Die Strümpfe reichen bis unter die Knie und sind dort mit einem oder zwei Bändern befestigt. Die Versionen des Bildes scheinen der Jahreszeit entsprechend aus Wolle zu sein. Ich habe meine Strümpfe wegen der einfacheren Waschbarkeit aus Leinen gefertigt. Der Nachteil ist, dass sie nicht so eng anliegen, wie sie sollten. Im Folgenden ein Bild meiner Strümpfe und danach eine ungefähre Schnittzeichnung, nach der ich gearbeitet habe. Taschen Frauentaschen, getragen am Gürtel Die Darstellungen
zeigen eine interessante Vielfalt von Gürteln und Taschen. Die
meisten Täschchen, welche von Frauen getragen werden, sind so wie
das auf dem ersten Bild (Auschnitt vom Meister des Hausbuchs) und wie
das der Barbara von Erlach auf dem zweiten Bild unten. Es sind kleine
Beutelchen, die am Gürtel befestigt sind und vermutlich aus Leder
waren. Ein solches Täschchen ist eines meiner nächsten Projekte. Pilgertasche: Stoffvariante Für
Veranstaltungen braucht man etwas, um sein Hab und Gut zu verstauen.
Neben Rucksäcken und einfachen Leinenbrotbeuteln bieten sich auch
Pilgertaschen für sowas an. Ich habe meine dem unten zu findenden
Bild aus dem Spiezer Schilling (742; Ausschnitt) nachempfunden. Das
Bild zeigt den Pilger aus Interlaken, die von Wallisern (man beachte
die Kröpfe) überfallen werden. Die Pilger tragen kurze Umhänge
und Stöcke mit sich. An den Hüten kann man das Pilgerabzeichen
von Einsiedeln erkennen. Kurzmantel einer Pfaffendirne Solche Kurzmäntel sind auf Bildern des 15.Jhs typische Kleidungsstücke junger Männer. Im Spiezer Schilling findet man sie auch als Frauenkleidung bei einigen der Pfaffendirnen, die in Bern gefangen genommen werden (539; siehe Bild 1 unten). Vermutlich will der Maler die Frauen genau durch diese ans ich typisch männliche Bekleidung als unehrenhaft charakterisieren. Wie auch immer, ich finde diese Art des Mantels sehr kleidsam und habe mir einen genäht (was natürlich auch den Vorteil hat, dass Jungsöldner Hannes ihn tragen kann). Genauere Informationen zum Mantel, eine Schnittzeichnung und weitere Bilder gibt es hier. Photographien: Atall INC
September 2007 | |