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Krapprotes Kleid, ausgehendes 15.
Jh, Schweiz
Ich wollte endlich
mal wieder ein Wollkleid zum Brauchen, d.h. eines, das wirklich schmutzig
werden kann. Materialtechnisch habe ich mich für krapprote Wolle
entschieden. Nach langem Hin und Her habe ich schliesslich lange Ärmel
den kurzen vorgezogen. Hauptgrund dafür war am Ende eigentlich
nur die Tatsache, dass ich schon ein Arbeitswollkleid
mit kurzen Ärmeln besitze. Die Ärmel habe ich allerdings
so weit zugeschnitten, dass sie bequem hochgestülpt werden können.
Das Kleid ist mit Taillennaht zugeschnitten. Das Oberteil hat einen
weiten "Schiffchenausschnitt" und wird vorne mit Haken und
Ösen geschlossen. Die Öffnung wurde für einen gewissen
Push-Up-Effekt (der allerdings noch massiver ausfallen könnte)
tropfenförmig zugschnitten. Das Oberteil ist mit gebleichtem
Leinen flach gefüttert (wie man links, auf dem untersten Bild,
wo ich das Kleid absichtlich verkehrt herum trage, gut sieht).
Der
Rockteil besteht aus sechs Bahnen, die ohne Falten an das Oberteil
angenäht sind.
Die
Ärmel sind relativ weit oben angesetzt, was die Bequemlichkeit
stark erhöht.
Die Innennähte habe ich (wegen der höheren Reissfestigkeit)
mit Leinenfaden handgenäht, die Aussennähte und sichtbaren
Versäuberungen - natürlich auch alle von Hand - mit krapprotem
Wollfaden.
Zunächst
hatte ich das Kleid in Überlänge genäht. In einem zweiten
Anlauf habe ich es dann auf Bodenlänge gekürzt. Geändert
habe ich auch die Abnäher über der Brust: Da
sich das Oberteil beim Tragen zunächst als noch zu weit herausstellte,
habe ich es zuerst gemäss diesem Madonnen-Bild
von Jean Fouquet (um 1450) mit zwei Abnähern versehen, obwohl
die Vorlage nicht demselben geographischen Raum und derselben Zeit
wie mein "Kleid" stammt. Beim Überarbeiten habe ich
diese Abnäher wieder entfernt.
Im Folgenden
noch einige Bilder, die mich zu dem Kleid inspiriert haben:
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Spiezer
Schilling 539
Mein
Lieblingsbild: Die Pfaffendirnen! *g*
Die Frau im roten Kleid im Vordergrund trägt ein sehr ähnliches
Kleid, wie ich es angestrebt habe: Ein runder Ausschnitt, recht
weite Ärmel (wobei diese weiter sind als meine) und eine
Länge des Rockes, die den Saum beim Hochschürzen noch
etwa bis zum Knöchel kommen lässt.
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Spiezer
Schilling 111
Die
beiden rot gekleideten Frauen tragen schlichte Gewänder
mit runden Ausschnitten. Die Ärmel meines Kleides habe
ich an die der Frau links angepasst.
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Spiezer
Schilling 112
Hier
ist im Gegensatz zu oben zwar eine reichere Frau zu sehen, aber
auch sie trägt die Ärmel so weit, dass sie sie hinaufrollen
kann.
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Spiezer
Schilling 320
Hier
sieht man die Sitte, das Gewand für die Arbeit hochzuschürzen,
sehr gut. Und auch die Länge, die das Kleid dann hat.
Auch dieses Kleid hat übrigens weite Ärmel.
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Photographien: Atall; Simone; Cantarella
(Lenzburg-Bild).
INC
2008
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