|
  
Grünes Kleid, ausgehendes 15.
Jh, Schweiz
Für
15. Jh-Schaukämpfe wollte ich ein Kleid aus dem Schweizer Raum,
welches genügend Bewegungsfreiheit fürs Schwertkämpfen
bietet und doch einigermassen historisch korrekt aussieht. Ich habe
mich deshalb für ein kurzärmliges Kleid mit weitem Ausschnitt
(ist einfach bequemer und kühler) entschieden. Sowohl der Ausschnitt
als auch die kurzen Ärmel sind in den Bilderchroniken des Diebold
Schilling belegt (Bild oben: Spiezer Schilling). Das Kleid ist knapp
bodenlang. Es ist aus dunkelgrüner Wolle genäht, wird vorn
geschnürt und ist ganz mit dunkelblauem Leinen gefüttert.
Sämtliche Säume sind handgenäht, die Weite des Kleides
wird durch eingesetzte Geren erreicht.
Bei Kälte können lange Wollärmel angesteckt werden.
Das Unterkleid ist aus weissem Leinen und hat wegen der Bewegungsfreiheit
beim Kampf recht weite Ärmel. Diese Weite ist m.E. allerdings ebenfalls
in den Schilling Chroniken belegt. Die zweite
Bildquelle links ganz unten stammt vom sog. Meister des Marienlebens
und zeigt ein Detail aus der Geburt Mariens, um 1470, heute in der Alten
Pinakothek in München. Die rechte Frau auf dem Bild gab mir die
Idee, das Kleid mit dunkelblauem (und nicht weissem) Leinen zu füttern.
Im Folgenden
eine ungefähre Schnittzeichnung des Kleides:

Die dunkelblauen
Überärmel sind aus fester Wolle und als enge Röhren
genäht. Sie werden mit Nadeln an den kurzen Ärmeln des Kleides
festgesteckt. Hier einige Bilder, die die Art der Ärmel zeigen.
Die Naht wird dabei, wie das erste Bild von van der Weyden zeigt,
hinten getragen.
Auf dem
zweiten Bild unten, auch von van der Weyden, sieht man "Sonntagsärmel"/
"Festtagsärmel", also angesteckte Ärmel für
besondere Gelegenheiten (interessant ist übrigens die Schnürung
von Magdalenas Kleid).
  
Bilder:
Van der Weyden, Sieben Sakramente, Mittelteil (Ausschnitt), 15.Jh
Van der Weyden, Maria Magdalena, 15.Jh
Schongauer, Eine der klugen Jungfrauen, 15.Jh
Ganz
oben: Spiezer Schilling; Meister des Marienlebens
Photographien:
Atall
INC
2004
|