Beispiele von Frauenkleidung aus den Schweizer Bilderchroniken - zur Kostümstudie

Aus: Pfaff, Carl, Die Welt der Schweizer Bilderchroniken, Schwyz 1991 (Bilder des Berner und des Spiezer Schillings); Schmid, Alfred A. (Hrsg), Die Schweizer Bilderchronik des Luzerners Diebold Schilling 1513, Luzern 1981 (die Bilder aus dem Luzerner Schilling), einzelne Faksimile Blätter (Faksimile Verlag Luzern) (Burgunderchronik)

Amtliche Berner Chronik von Diebold Schilling dem Älteren, wohl 1474 in Auftrag gegeben, dem Rat überreicht 1483, heute in der Burgerbibliothek Bern Mss.h.h.I.3
Spiezer Chronik von Diebold Schilling dem Älteren, 15.Jh (im Anschluss an die Berner Chronik), auf Auftrag von Rudolf von Erlach, heute in der Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.I.16
Grosse Burgungerchronik ("Zürcher Schilling") von Diebold Schilling dem Älteren, entstanden um 1480, heute in der Zentralbibliothek Zürich, Hs. Ms. A5
Luzerner Chronik von Diebold Schilling dem Jüngeren, dem Rat überreicht 1515
, heute in der Zentralbibliothek Luzern, Hs.S.23


Berner Schilling 2, 10

Der Tod des Grafen von Toggenburg.

Die zur Tür hineintretende Frau trägt ein überbodenlanges, vorne locker geschnürtes Kleid. Der Gürtel ist kurz und sitzt locker auf der Hüfte.


Berner Schilling 3, 100

"Twingherrenstreit" (1469/ 1470). Berner Damen verteidigen sich vor dem Ratsgericht wegen den Kleidervorschriften.
Die beiden vorderen Damen tragen über ihren Kleidern einen überbodenlangen Umhang, der nur vorne geschlossen ist.


Berner Schilling 3, 282

Marketenderinnen im eidgenössischen Lager.
Die beiden Frauen erscheinen fast damenhaft mit überlangen, aber hochgeschürzten Kleidern, Hauben, Federhut und Gefrense.


Berner Schilling 3, 866

Eine Szene am burgundischen Hof, der als Vorbild in Sachen Mode galt.
Die Kleider der beiden Damen sind überlang und weisen grosse Ausschnitt auf. Beide tragen ein zur Kleidfarbe passendes Gefrense unter den Hüten


Spiezer Schilling 31

Bild der Barbara von Erlach, geborene de Praroman von Freiburg, mit Töchtern. Sie war die Gemahlin des Altschultheiss Rudolf von Erlach, des Gönners des Berner Schilling.

 

Spiezer Schilling 111

Die Frauen hier sind schlicht gekleidet. Sie tragen einfache Hauben ohne Gefrense. Die Kleider können eine runden oder eckigen Ausschnitt haben und lange oder kurze Ärmel.


Spiezer Schilling 112

Ein Zweikampf zwischen einer Frau und einem Mann auf der sog. oberen Matte (heute: Münsterplattform) in Bern im Jahr 1288.
Die Frau trägt ein überbodenlanges, leicht hochgeschürztes, dunkelrotes Kleid mit grossem Ausschnitt. Die Ärmel sind für den Kampf hochgekrempelt. Bemerkenswert ist die reichverzierte Haube.


Spiezer Schilling 320

Bernische Truppen verwüsten das Schwarzenburgerland. Dabei wird eine Viehherde weggetrieben. Mit von der Partie ist eine Frau in einem roten Kleid. Das Kleid ist bis zu den Knöcheln hochgeschürzt. Es hat einen spitzen Ausschnitt und nicht allzu enge Ärmel. Am Ausschnitt ist das weisse Unterkleid zu sehen. Dazu trägt die Frau eine einfache Wulsthaube ohne Gefrense oder sonstigem Schmuck.


Spiezer Schilling 539

"Pfaffendirnen" (Geliebte von Geistlichen) werden in Bern gefangengenommen (1405). Ein Geistlicher versucht eine der Frauen gegen Geld auszulösen.
Die Frauen tragen auf Bodenlänge hochgeschürzte Kleider, Wulsthauben mit Schmuck und/oder Gefrense und zum Teilk kurze Umhänge, die vorne geschlossen werden.

 

Spiezer Schilling 740

Blick in das Zimmer des Ratsschreibers.

Die Damen links sind sehr elegant gekleidet. Sie tragen lange schleppende Gewänder und aufwendige turbanartige Hauben. Interessant ist der hochgeschlitzte Ärmel der Frau ganz links.


Spiezer Schilling 749

Eine Gruppe Zigeuner und Zigeunerinnen vor Bern.
Männer und Frauen sind durch "sarazenische" Kleidungsspezifika von den Einheimischen zu unterscheiden.


Burgunderchronik ("Zürcher Schilling") (64)

Ausschnitt aus einer Gerichtszene des Berner Twingherrenstreits. Adlige Frauen und Herren leisten einen Eid gemäss dem Urteilsspruch des Richters.
Die Frauen tragen süddeutsche Mode, die beiden Vorderen mit Fächerhauben und Gefränse.


Burgunderchronik ("Zürcher Schilling") (285)

Ausschnitt aus einer Darstellung des Feldzuges in die Waadt (1475).
Zu sehen sind eine Frau und ein Mädchen im Tross des Heeres. Die Frau trägt eine Fächerhaube und ein mehrfarbiges Kleid. Das Mädchen hat eine interessante Frisur mit abgebundenen und hochgesteckten Haaren. Es trägt ein hochgeschürztes grünes Kleid über einem roten Unterkleid. In der Hand hält es einen kleinen Beutel.


Luzerner Schilling, Folio 12r (33), Auschnitt

Schlacht um Sempach, 9.7.1386.
Eine Frau im Heer. Sie trägt ein blau-weisses, auf knöchellänge hochgeschürztes Gewand, enen roten Hut, der mit einem Band unter dem Kinn befestigt ist und rote Schuhe.


Luzerner Schilling, Folio 43r (87), Ausschnitt

"Wie minen heren von Lucern ein schad beschach und der Waegis verbran"

Das Bild ist ein Ausschnitt aus einem Bild, welches den Brand an der Weggisgasse in Luzern zeigt. (24.4.1444)
Vorne sind Helfer und Helferinnen mit Löschgeräten zu sehen. Darunter auch eine Frau. Sie trägt ein hochgeschürzter rotes Kleid und einen weissen Schleier. Die Arme sind unbedeckt. Das Bild zeigt, dass Frauen bei harter Arbeit auch mit unbedeckten Armen herumgehen konnten - jedoch nie baren Hauptes!


Luzerner Schilling, Folio 54v (110)

Der Schultheiss von Luzern, begleitet von seiner Familie, einer Blasmusik und Mitgliedern der Stadtwache überreicht König Sigismund vor dem äusseren Weggistor (mit dem Datum 1512) in Luzern rituell die Schlüssel für die Stadt. (29.10.1417)
Die Frau im Vordergrund trägt ein elegantes rotes Kleid mit weiten Ärmeln und grossem Ausschnitt. Dazu eine Haube mit Kinnband, unter welcher die zu Schnecken geflochtenen Haare zu sehen sind.


Luzerner Schilling, Folio 57v (116)

Rheinfelden wird von österreichischen Truppen geplündert. (23./24.10.1446)
Die erschrockene Frau in der Mitte trägt ein ärmelloses rotes Kleid und eine schlichte Haube. Auch hier gilt dasselbe wie beim Folio 43r. Obwohl die Frau nur halbangezogen ist, trägt sie eine Kopfbedeckung.


Luzerner Schilling, Folio 61v (124)

Eine Darstellung von merkwürdigen Ereignissen, die im Zusammenhang mit zwei Kometen gesehen wurden (1456). Vorne z.B. ein doppelköpfiges Kalb. Es regnet Blut und Fleischstücke.
Die Frau rechts unten trägt ein weisses (Unter-)kleid mit unbedeckten Armen, aber wieder mit Kopfbedeckung. Vermutlich ist hier der Unterbau der Wulsthaube zu sehen. Die Haube, die darüber getragen wurde, fehlt.


Luzerner Schilling, Folio 107v (218), Aussschnitt

Schlacht bei Murten (22.6.1476)
Eine Frau im Lager des Grafen von Romont beim Waschen. Sie trägt ein hochgeschürztes rotes Kleid, unbedeckte Arme und eine weisse Haube.


Luzerner Schilling, Folio 121v (246)

König Matthias Corvinus schlägt den Luzerner Gesandten Melchior Russ während einer Messe im Wiener Stephansdom zum Ritter (24.6.1478).

Die Frauen sitzen links getrennt von den Männern. Man sieht von beiden die Rückenansicht.


Luzerner Schilling, Folio206r (417)

Oben: Der Mailänder Gian Maria Sforza, Bischof von Genua und Bruder des Herzogs Ludovico Moro reist nach Zürich, um Söldner anzuwerben.
Unten: Jörg Supersaxo, ein von Mailand Bestochener, wird auf dem Luzerner Fischmarkt verhaftet.
Die Frau vor dem Brunnen trägt ein ärmelloses, bodenlanges, rotes Kleid über einem weissen Unterkleid mit recht weiten Ärmeln. Dazu einen langen Schleier.


Luzerner Schilling, Folio 259r (523)
Wenn der dryen Lendern vasnacht anfieng und ussgieng, ouch wz sy wartetend und ze rat warend worden.

Fastnachtstanz auf der Landmatte von Schwyz. Musikanten spielen mit Blashorn und Hackbrett unter einer Linde. Davor bewegen sich vornehme Paare im Schreittanz.
Die Kleider der Damen sind allesamt überbodenlang. Sie haben hinten und vorne grosse Ausschnitte und recht weite Ärmel. Die zweite Frau von rechts trägt als einzige keine Haube, sondern zwei lange Zöpfe und ein Blumenband mit Gefrense(?). Sie ist dadurch als noch unverheiratete Jungfrau ausgezeichnet.


Luzerner Schilling, Folio 283r (573)

Ein schwäbischer religiöser Umzug für den Romzug Maximilians.
Zuvorderst marschieren die Geistlichen, gefolgt von den Männern und den Frauen und Kindern. Die Frauen tragen knöchellange schlichte Kleider, Wulsthauben und zum Teil Hüte über den Hauben.


Luzerner Schilling, Folio 327r (661), Aussschnitt

Eidgenössische Söldner, in französischen Diensten, verlassen nach der Eroberung von Cremona heimlich das Heer und schleichen sich über das Gebirge in die CH zurück. Die mitlaufende Frau trägt ihr Kleid hochgeschürzt.


Luzerner Schilling, Folio 330v (666)

Die Gräfin von Montfort befreit einen zum Tode verurteilten Gerber. Dieser hatte Leder gestohlen und verkauft, um die Gunst seiner Liebhaberin nicht zu verlieren. Im Vordergrund flieht jene in die Freistatt der Kirche.
Auf diesem Bild sind die Standesunterschiede zwischen den beiden Frauen sehr schön durch ihre Kleidung zu erkennen. Die Gräfin trägt ein rotes Kleid mit Schleppe und eine Wulsthaube. Die Gerber-Liebhaberin dagegen ein mehrfarbiges, ärmelloses Kleid, knöchellang, darüber eine Schürze und nur eine Art Tuch über den wallenden Haaren.

 

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